Von Nord nach Süd oder vom Watzmann zu den 3 Zinnen – eine Alpenüberquerung der anderen Art

Auch dieses Jahr war der Wunsch groß, eine größere Tour zu machen. Nachdem der E5 vor einem Jahr die erste längere Tour war, die über die Alpen führte, war schnell klar, dass es diesmal wieder eine Alpenüberquerung werden sollte. Allerdings eine der anderen Art …

Aus mangelnder Lust, Einsamkeit und wenig Zeit für die Vorbereitung habe ich mich diesmal für eine geführte Tour entschieden: 7 Tage vom Königsee / Berchtesgaden, Deutschland über Österreich nach Italien zu den 3 Zinnen, 12 Wanderer und 1 Bergführer.  Los ging es Anfang September. Eigentlich der fast perfekt Zeitpunkt für mein Vorhaben, wäre da nicht der vorzeitige Wintereinbruch gewesen. Aber dazu später mehr. Der Sommer wurde dafür mit allerlei Bergtouren ausgiebig genutzt und von Tag zu Tag stieg die Freude stetig. Aber nicht nur die Vorfreude wurde größer, auch die Neugierde und die Spannung nahmen täglich zu. Ich stellte mir Fragen wie ‚wer würde unser Bergführer sein?‘ oder ‚wer sind meine Mitwanderer?‘, ‚werden wir uns verstehen?‘ und viele mehr.  Die Tour klang mit den Berghighlights Watzmann, Großglockner und die 3 Zinnen sehr vielversprechend. Gesehen haben wir leider nicht alle 😦

Unser Treff- und Startpunkt war am Freitag, dem 01. September 2017, der Parkplatz am Königsee. Hier begann das erste Beschnuppern und Kennenlernen. Unser Bergführer hatte auch gleich eine Überraschung für uns parat: Grödel. Da staunten wir nicht schlecht. Denn eigentlich hatte der September gerade erst begonnen und wir waren doch noch mitten im Sommer? Aber nein, der September brachte Nebel und Dauerregen. Also starteten wir regenfest eingekleidet und mit Grödeln im Gepäck mit dem Boot Richtung St. Bartholomä. Von hier aus ging es über die Saugasse hinauf zum Kärlingerhaus, unserer ersten Übernachtungshütte.

Am nächsten Morgen ging es durchs Steinerne Meer entlang Richtung Riemannhaus, von welchem wir dann über einen mit Drahtseil gesicherten Steig nach Maria Alm abgestiegen sind. Viel gesehen haben wir von der Berchtesgadener Bergwelt leider nicht. Denn auch an diesem Tag hing der Nebel tief und der Himmel öffnete seine Schleusen. Trotz des Wetters war der Abstieg spannend und bot uns einige Highlights. Übernachtet haben wir später n der Trauneralm im Käfertal, einer sehr urigen und recht eigenwilligen Hütte. Ganz anders als die Hütten, die man sonst so kennt. Das Bier war im Biertrog vor dem Haus, man bediente sich sozusagen selbst und die Betten waren so alt als wären sie noch aus dem Mittelalter. Da wir ja so richtig Glück mit dem Wetter hatten und es auch herrlich warm war – kleiner Scherz am Rande – ging der Regen bald in Schnee über und tauchte die Bergspitzen weiß.

Über Nacht fiel der Schnee so tief, dass sogar die Wiesen an der Hütte weiß gezuckert waren. Die Großglocknerstraße war gar nicht mehr befahrbar und unser nächstes Etappenziel, die Großglocknerhütte, rückte immer mehr in weite Ferne. Nun hieß es warten, also vertrieben wir uns die Zeit auf der Trauneralm mit Gesellschaftsspielen. Gegen Mittag war dann die Entscheidung gefallen. Das hieß auch, dass wir unsere Ursprungsroute über die Pfandlerscharte nicht gehen konnten. Der Alternativplan war die Übernachtung im Ort Bruck. Hoffentlich würde das Wetter am nächsten Tag besser werden, so dass wir doch noch ein bisschen Bergpanorama genießen könnten.

Tag 4 startete mit der Fahrt von Bruck zum Lucknerhaus bei Kals am Großglockner. Auch die für diese Etappe geplante Route mussten wir leider ändern. Aber immerhin wurde das Wetter endlich besser und wir hatten an diesem Tag tatsächlich blauen Himmel und Sonnenschein, auch wenn es nur ca. 5 Grad warm war. Das Alternativprogramm zur ursprünglichen Strecke war die Besteigung des Figerhorn, ein 2.743 m hoher Berg der Glocknergruppe in Osttirol. Endlich konnten wir die Schönheit der österreichischen Berge in vollen Zügen genießen. Und endlich zeigte sich uns auch eins unserer Highlights in seiner ganzen Anmut, der Großglockner.

Jetzt waren wir endlich wieder auf Kurs. Für Tag 5 stand die Überschreitung der Villgrater Berge auf dem Plan. Bis zur Mooseralm hat uns der Lift gebracht. Danach ging es Richtung Degenhorn durch die Defereggengruppe in Osttirol. Leider konnten wir auch diesen Gipfel nicht besteigen, denn wir wurden mal wieder von Regen und Nebel begleitet. Doch auch ohne Gipfelausflug, wo wir ohnehin nichts gesehen hätten, verlief die Route weiter Richtung Ochsenlenke und später mit dem Abstieg ins Arntal bis nach Innervillgraten.

Nun hatten wir noch 2 Tage. Und heute an Tag 6 sollten wir nach Südtirol wandern. Von Innervillgraten aus stiegen wir bei sonnigem und endlich auch warmen Wetter – yeah endlich kurze Wanderhose! – hoch auf den Aussichtsberg „Marchkinkele“, einem 2.545 m hohen Berg in den Villgrater Bergen in Osttirol. Von hier hatten wir einen 360° Bergblick, rückblickend Richtung Glocknergruppe und nach vorn Richtung Dolomiten. Beim Abstieg ins Silvestertal begegneten wir auch mal den tierischen Bergbewohnern. Danach war noch eine kurze Fahrt mit dem Taxi nach Innichen und ein letzter kurzer Aufstieg zur Dreischusterhütte, unserer letzten Unterkunft, angesagt, bevor wir den letzten Abend in geselliger Runde genießen konnten.

Der letzte Tag brach schon sehr zeitig an. Unser Ziel: die berühmten 3 Zinnen der Dolomiten. Das Wetter an diesem Tag sollte uns für die Tour versöhnlich stimmen. Denn wir hatten auf unseren letzten Kilometern einen tollen Nebel-Sonnen-Mix und blauen Himmel. Die Dolomiten sind wirklich wunderschön und beeindruckend. Da kann man sich gar nicht satt sehen. Nach guten 3 Stunden und knapp 1.000 Höhenmetern später erblickten wir sie schließlich: die 3 Zinnen. Erhoben stehen sie da und lassen sich jeden Tag von Tausenden von Menschen bewundern und das zu Recht, denn sie sind wirklich atemberaubend. Auf dem Weg zur Dreizinnenhütten kommt man noch an den Hinterlassenschaften des Weltkriegs, den Stellungsgräbern, vorbei. An der Dreizinnenhütten hatten wir noch eine letzte Mittagsrast, ein letzter Kaiserschmarrn, ein letztes Bergessen. Danach ging es mit dem Bus wieder Richtung Königsee. Und das war auch das Ende dieser etwas anderen Hüttentour 😉

 

Mein Fazit:
7 Tage für die Strecke vom Watzmann zu den Dolomiten ist sehr sportlich und ohne Zwischentransfer in der Zeit nicht machbar. Aber dafür war es eine geführte Tour und man musste sich um nichts kümmern. Gesehen haben wir leider wenig, aber wie das immer so in den Bergen ist, man weiß nie, was einen (wettertechnisch) erwartet. Und irgendwie wurde die Tour dadurch zu etwas ganz Besonderem 🙂

Tourendaten:
Tag 1: 4,5 h | 10 km | 1.130 hm ↑
Tag 2: 4,5 h | 11,5 km | 1.030 hm ↑ | 850 hm ↓
Tag 3: –
Tag 4: 2,5 h | 6,5 km | 800 hm ↑ | 750 hm ↓
Tag 5: 4,5 h | 11,5 km | 510 hm ↑ | 1.130 hm ↓
Tag 6: 5,5 h | 20 km | 1.290 hm ↑ | 1.050 hm ↓
Tag 7: 4 h | 11,7 km | 1.000 hm ↑ | 300 hm ↓

 

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